Stadtteilküche
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© Admassu Kobolcha, Eleonora L. Herder und Lara-Marie Weine

Stadtteilküche

Was wäre, wenn Ernährung so selbstverständlich zur Stadt gehörte wie Bibliotheken oder Theater? Wenn Kultur öffentlich gefördert wird – warum nicht auch Essen? Vielleicht müssen wir Ernährung erst als Kunst begreifen, um sie für alle zugänglich zu machen. Das Projekt Stadtteilküche von andpartnersincrime macht Kochen zu Theater und Essen zum Akt gemeinschaftlicher Fürsorge.

09.08.2026 Eröffnung der Stadtviertelküche im Riederwald

17.09.2026 Eröffnung der Stadtteilküche im Mousonturm im Rahmen des ‚How to make a Life‘ Festivals

Die neue Frankfurter Stadtteilküche versteht sich als Behauptung einer anderen Realität. Kochen wird zur Performance, das gemeinsame Essen zur politischen Praxis. Statt Zuschauer*innen gibt es Beteiligte. Sie ist ein Drama ohne Skript, aber mit Rezept und entsteht jeden Tag anders.

Ausgangspunkt des Projekts ist eine strukturelle Schieflage: Die Lebensmittelpreise sind seit 2022 um 30 Prozent gestiegen, jedes vierte Kind in Deutschland hat keinen Zugang zu vollwertiger Ernährung. Die Sorgearbeit rund ums Essen bleibt unsichtbar, vereinzelt und überwiegend privatisiert: jede kocht ihr eigenes Süppchen und schaut dabei am besten nicht über den Tellerrand. Gleichzeitig erleben wir, wie die Küche von der sogenannten „neuen“ Rechten zum ideologischen Kampfplatz erklärt wird, auf dem das Ideal der Trad Wife – der traditionellen Hausfrau, die allein für Haushalt, Ernährung und Fürsorge verantwortlich ist – romantisiert und propagiert wird. Über Social Media werden traditionelle und normative Geschlechterrollen reproduziert und verfestigt, während die strukturellen Ursachen sozialer Ungleichheit und von Ernährungsunsicherheit zunehmend unsichtbar gemacht werden.

Es braucht ein Umdenken von Gemeinschaft, Ressourcen und öffentlichem Raum. Es braucht eine solidarische, feministische Perspektive auf Ernährung und Sorgearbeit. Als andpartnersincrime glauben wir an die Kraft des Theaters nicht abzubilden, was ist, sondern zu behaupten und zu erleben, was möglich sein könnte: Eine solidarische Nachbarschaftsküche in jedem Viertel. Essen für alle in Frankfurt.

Wir beziehen uns mit unserer Idee auf historische Utopien solidarischer Ernährungssicherheit: während die berühmte Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky noch versuchte, die Emanzipation der Frau darüber zu erreichen, die Arbeitsschritte der einzelnen Hausfrau zu optimieren, kochten bereits in den 1920er Jahren in der Frankfurter Erwerbslosen-Küche täglich tausende Erwerblose füreinander. In Wien entstanden zur selben Zeit Lily Brauns Einküchenhäuser, in denen die Ernährung als zentrale Infrastruktur des Wohnens gedacht wurde. Und nach dem Militärputsch in Chile von 1973 wurden die Ollas Comunes zu Orten des Widerstands gegen ein autoritär neoliberales Regime und der gegenseitigen Unterstützung. An diese historischen Versuche eines Aufstands aus der Küche knüpfen wir mit unserer Praxis an: einmal im historischen Arbeiterviertel Riederwald und einmal in einer etablierten Frankfurter Kunstinstitution – dem Künstler*innenhaus Mousonturm.

Zwischen dem 9. August und dem 5. September 2026 behaupten wir im Riederwald ein Laboratorium sozialer Fantasie und machen sie dadurch konkret. Eine professionelle Küche konzipiert und gebaut von dem Gestalterkollektiv YRD.Works schafft mitten auf einem öffentlichen Platz neue Tatsachen: plötzlich ist sie da, die Utopie einer sorgetragenden Stadt. Der Platz wird eine Bühne, die eine Küche ist und zur Institution wird. Gekocht wird überwiegend mit geretteten Lebensmitteln, Töpfe kommen von befreundeten solidarischen Küchen, Teller aus zweiter Zeit. Die Stoffe für die Schürzen werden mit den feministischen Rufen unserer Vorgängerinnen bedruckt.

Während des Küchenbetriebs findet auch die künstlerische Arbeit statt: Es wird geprobt, gesungen, diskutiert und organisiert. Außerdem planen wir zwei Diskursveranstaltungen mit eingeladenen Referent*innen aus den Kontexten Kunst, Wissenschaft und Aktivismus, die zu Ernährungsgerechtigkeit und Entwürfe für kollektive Infrastrukturen der Versorgung diskutieren:

21.08.2026, 10:00h – 16:00h – Kitchen Debate #1: DIE PRODUKTION

Kritische Einblicke in die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion und zukunftsfähige  Alternativen.

Mit Beiträgen von u. A. Paula Gioia (La Via Campesina), Margarethe Hinterlang (Bionales), sowie Vertreter*innen der Jungen AbL Nordhessen.

22.08.2026, 10:00h – 16:00h – Kitchen Debate#2: ANGEBOT UND NACHFRAGE

Ernährungsgerechtigkeit im Fokus: Wer profitiert von der Lebensmittelindustrie und wer verliert?

Mit Beiträgen von u. A. Xenia Waporidis (Ruhr Uni Bochum), Jan-Felix Thon (Ko-La Leipzig) und António Fernandes Coelho.

27.09.2026 – Kitchen Debate #3: AUFSTAND AUS DER KÜCHE

 Was passiert, wenn die Sorgearbeit im Zentrum einer Gesellschaft steht?

Beiträge tbc.

04.10.2026 – Kitchen Debate #4: GREAT LOCAL KÜFA SUMMIT

Alternative Entwürfe der Gemeinschaftsverpflegung. Netzwerkveranstaltung für alle Aktiven der solidarischen Gemeinschaftsverpflegung.

Zum Abschluss der Frankfurter Stadtteilküche kommen Projekte der solidarischen und gemeinschaftlichen Verpflegung zusammen. Der Summit schafft Raum für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven für eine zukunftsfähige Ernährungsinfrastruktur.

Beiträge tbc.

Künstlerische Leitung: Eleonora Lela Herder/andpartnersincrime
Raumgestaltung: Yacin Boudalfa, Ruben Fischer und David Bausch von YRD.Works
Grafikdesgin und Kostüm: Anna Sukhova & Kathrin Baumgartner
Musikalische Leitung & Sounddesign: Jonas Harksen
Performerin: anna stiede
Schneebesenkostüm: Anna Berger
Stadtteilküchenköch*innen: Felix Bröcker, Hugh Aldersson (Food thats left), Laila El Bouattaoun, Matthias Schmidt, Susanne Simpert (Sue’s Kitchen), Naziha Majouti und Tigist Yosef, Lucie Nienburg
Produktionsleitung und Organisatorische Mitarbeit: Benjamin Bay / Martin Heise
Öffentlichkeitsarbeit: Chiara Marcassa
Communitymanagement: Magdalena Eßer
Inhaltliche Beratung und Diskursprogramm: Anna Verwey, Alexis Passadakis, Prof. Dr. Dominik Gager, Leon Joskowitz, Nepomuck Bendukat
Initiative für eine Stadtviertelküche im Riederwald: Catherine Béroud, Fariba Abdolhosseini, Inge Wendel, Lisa Weimer, Naziha Majouti, Sonja Roos und Tigist Yosef.

Unterstützt von dem Bündnis für solidarische Gemeinschaftsverpflegung in Frankfurt:

ada_kantine; Café Prekarissimo – AG für gesellschaftliche Teilhabe, gegen Armut und Stigmatisierung, Christians4Future Rhein-Main; Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen e.V.; Eine Stadt für alle! Frankfurt; Ernährungsrat Frankfurt; Mensa von Morgen; Food that’s left; FoodCoop KlaaKarott; Fridays for Future Frankfurt am Main; Freitagsküche Frankfurt, Gemeinschaftsküche Heusenstamm, Gemeinwohl-Ökonomie Regionalgruppe Frankfurt; GemüseBande Frankfurt GbR; Gemüseheldinnen Frankfurt; Greenpeace Frankfurt; Initiative für eine Stadtviertel-Küche im Riederwald; Initiative Grünzug Eckenheim; Initiativgruppe Bedingungsloses Grundeinkommen Rhein-Main; Kampagnen-AG Stadtteilküche (Die Linke Frankfurt); Klimaattac – Attac Frankfurt; Klimaentscheid Frankfurt; Klimaschutz Initiative Riedberg e.V.; Koala Kollektiv; Ikonomo; Naturfreunde Frankfurt; Offenes Haus der Kulturen e.V.; People for Future Frankfurt am Main; ShoutOutLoud – Changing the World Step by Step e.V.; Solidarisches Gallus; Özgür Düzel von Stützende Hände e.V.; Sue’s Kitchen; Tortuga Eschersheim e.V.; transit e.V.; Transition Town Frankfurt/Main e.V.; turtuga – changemaker community; Umwelt-Exploratorium e.V.; ÜBRIGens Lecker Oberursel.

Ein Projekt von andpartnersincrime im Rahmen der WDC 2026. WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, dem Dezernat für Klima, Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt. In Koproduktion mit Künstler*innenhaus Mousonturm und in Kooperation mit YRD.Works. In Trägerschaft von FöDaKü Hessen e.V. Die Recherche, wissenschaftliche Begleitung und Dokumentation dieses Projekts wurde ermöglicht aus Mitteln der Hans Sauer Stiftung. 

„Neue Frankfurter Stadtteilküche“, ein Projekt von andpartnersincrime in Koproduktion mit Künstler*innenhaus Mousonturm, ist Teil von „How to make a life“, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, gefördert von dem Beauftragten für Kultur und Medien sowie gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Aventis Foundation im Rahmen der Vertrauensförderung, World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 , durch den Neighbourhood Fund der Crespo Foundation und Goethe-Institut Peking.

Alle aktuellen Infos und Termine findet ihr hier: www.frankfurter-stadtteilkueche.org

Stadtviertelküche Riederwald:

ORT: Platz vor der Philippuskirche, Raiffeisenstraße 70-72, 60386 Frankfurt

  • So., 9. August 2026, 10:00h gemeinsam Kochen und 13:00h Great Grand Opening der Stadtteilküche Riederwald
  • Zwischen dem 9.08 und dem 05.09. Immer Do.–Sa. laufender Küchenbetrieb, ab 10:00 Uhr gemeinsam kochen ab 13:00h Essen für alle!
  • Fr., 21. und Sa, 22. August 2026, 10:00h – 16:00 Uhr – “Kitchen Debate” Diskussionsformate und Vorträge mit eingeladenen Referent*innen
  • Sa., 5. September 2026 – 13:00h Abschlussessen mit Konzert

Stadtteillküche Mousonturm:

ORT: Waldschmidtstr. 4, 60316 Frankfurt am Main

  • Do., 17. September 2026, 10:00h gemeinsam Kochen. 13:00 Uhr – Great Grand Opening der Stadtteilküche Mousonturm
  • Zwischen dem 17.09 und dem 09.10. Immer Mi.–So. laufender Küchenbetrieb, ab 10:00 Uhr gemeinsam kochen ab 13:00h Essen für alle!
  • So., 27. September 2026, 10:00h – 16:00 Uhr – “Kitchen Debate” Diskussionsformate und Vorträge mit eingeladenen Referent*innen
  • So., 4. Oktober 2026 – Kitchen Debate & Great Local Küfa Summit (Abschluss)

Wir freuen uns sowohl über Menschen die mitmachen wollen Lebensmittel zu retten, zu schnippeln, zu kochen, die Räume zu gestalten und noch viel mehr. Ein einsteigen ist jederzeit möglich.

Wenn ihr mitmachen wollt, wendet euch an: mitmachen@frankfurter-stadtteilkueche.org

Hier könnt ihr euch in unseren Telegram-Chanel einwählen.