
andpartnersincrime ist ein Zusammenschluss um die beiden freischaffenden Performancekünstler*innen Eleonora L. Herder und Nepomuck Bendukat mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und einer Reihe von Kompliz*innen in Berlin, Marseille und Barcelona. Das Label andpartnersincrime wurde 2011 von Eleonora Herder gegründet, 2022 kam Nepomuck Bendukat hinzu und bis 2024 war Tim Schuster ein weiteres kontinuierliches Mitglied.
Wir arbeiten kollektiv und stellen für jede Produktion neue Teams zusammen. Dabei kollaborieren wir regelmäßig mit Personen aus politischem Aktivismus und theaterfernen Kontexten. Unsere Herangehensweise ist (queer)feministisch, emanzipativ und basiert auf der Überzeugung, dass Theater gesellschaftliche und politische Veränderungen anstoßen kann.
Unsere Praxis bewegt sich in drei miteinander verwobenen Schwerpunkten:
- Dokumentarisches Theater
Wir beschäftigen uns mit historischen und gegenwärtigen Themen, die wir mit individuellen Erzählungen und spekulativen Elementen verweben. Uns interessieren verlorene, überhörte oder verdrängte Geschichten und die Frage, welche anderen Verläufe oder Utopien sie bereithalten. So untersuchte Eleonora L. Herder in Über das Unbehagen zu wohnen (2023) die widersprüchliche Geschichte ihrer Familie zwischen jüdischer Verfolgung und NS-Täterschaft – ausgehend von einem wiederaufgetauchten Erbstück. Im Jahr 2022 erarbeite andpartnersincrime die Performance LEERE STADT am Staatstheater Kassel in der wir uns mit Leerstand und Verdrängung im Stadtbild auseinandersetzen. Bei unseren investigativen Recherchen sind wir auf die Geschichte des wohnungslosen, aus Algerien geflüchteten L.A.F., gestoßen, der kurze Zeit vorher in einer Notunterkunft verbrannt war. Seine Geschichte und die Geschichte seiner Tochter Faiza, die nicht über seinen Tod informiert wurde, standen im Mittelpunkt der Performance und wurde mittels einen Videointerviews von ihr erzählt.
- Orts- und raumspezifische Performances
Viele unserer Arbeiten verlassen bewusst den Bühnenraum und erforschen die Wirkung performativer Setzungen im öffentlichen Raum. Mit Audiowalks und multimedialen Interventionen untersuchen wir, wie Text, Sound oder Bewegung Orte verändern können. Alles zieht vorbei (2022) führte aus der Perspektive von Kindern durch die Leipziger Großwohnsiedlung “Grünau”, während for those who do not belong (2024) queere Pirat*innen und Hausbesetzer*innen durch Frankfurts verborgene Winkel verfolgte.
- Akademien und diskursive Formate
Der dritte Schwerpunkt unserer Arbeit liegt darin, Formate, die primär im Akademischen verortet werden (wie Symposien oder Akademien) in eine aktivistisch-künstlerischen Kontext zu übertragen. Diese Arbeiten scheinen auf den ersten Blick das Theater zu verlassen, eröffnen jedoch auf den zweiten Blick durch die Verbindung von Diskurs, Analyse, Expert*innenwissen und performativen Elementen neue Möglichkeiten, gesellschaftliche Wirklichkeiten gemeinsam zu imaginieren und zu entwerfen. So besuchten wir etwa kunstferne Orte wie Kantinen und verwandelten sie in Räume der Gemeinschaft, in denen gemeinsam gekocht, gegessen und zugleich über theoretische, künstlerische und aktivistische Themen diskutiert wurde. Exemplarisch sei hier die Akademie der Versammlung und die Akademie der radikalen Sorgearbeit genannt, die wir (2020 und 2022) in der ada_kantine in Bockenheim – einer Nachbarschaftskantine, die vor allem von wohnungslosen Personen besucht wird – realisierten.
Ein weiteres Format, das sich an der Schnittstelle von Aktivismus, Akademie und Performance befand, war unsere 2025 inszenierte Kaffeefahrt Rechs von uns das Land. Bei dieser Kaffeefahrt fuhren wir gemeinsam mit dem Solibus Berlin e.V. Orte in Hessen an, die wir einem antifeministischen Netzwerk zuordnen und kamen mit Aktivist*innenund Wissenschaftler*innen ins Gespräch, die diesen Strukturen etwas entgegensetzen und mit dem Publikum ihre Analysen teilten.
Theater eröffnet die Möglichkeit neuer Behauptung und das Entwerfen von Utopien. In dem Moment, in dem akademische Formate als Inszenierungen verstanden werden, werden alle Beteiligten zu Mitspieler*innen. Auf diese Weise wird ein Potential der eigenen Wirksamkeit und Möglichkeit eröffnet, hin zu einer Welt, wie sie auch anders sein könnte. Theater lässt die Akademie in das Fantastische und Ironische kippen, während die Akademie und die Diskussion das Theater gegenwartsrelevant und politisch werden lassen.
Allen Arbeiten gemeinsam sind investigative Recherchen, Feldstudien und Interviews mit Aktivist*innen, die zu Kompliz*innen im künstlerischen Prozess werden. Wir dokumentieren und analysieren das Wissen sozialer Bewegungen und urbaner Kämpfe, um es in neuen Kontexten erfahrbar zu machen.
andpartnersincrime kooperiert regelmäßig mit dem Produktionshaus NAXOS, dem LAB Frankfurt, dem Künstlerhaus Mousonturm, dem Museum Angewandte Kunst, dem Historischen Museum Frankfurt, dem Offenen Haus der Kulturen, der ada_kantine und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Seit 2020 erhält das Label eine Mehrjahresförderung der Stadt Frankfurt.
Partner:










Förderer:








